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Old 01-02-09, 22:10
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friederike friederike is offline
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Ja, erlebt habe ich wirklich so einiges, was sich auch gar nicht so einfach in ein paar Sätzen zusammenfassen lässt =)


Was ich am meisten vermisse?
Das Klima erst einmal natürlich. Auch wenn die Hitze manchmal nicht mehr schön war - im -5° kalten Deutschland würde ich mich so schnell nicht mehr darüber beschweren!!
Und ich vermisse die Mentalität der Mauritier - die Offenheit, Feierlaune und Hilfsbereitschaft, die zumindest mir fast überall begegnet ist.
Und natürlich die Kinder, mit denen ich zusammengewohnt habe - vor allen Dingen, weil ich mich am Ende gefühlt habe, als würde ich gegen Windmühlen ankämpfen. Es war eine sehr schöne Zeit, doch ich habe nicht das Gefühl, dass ich nachhaltig etwas bewegen konnte in diesem Kinderheim - damit es den Kindern dort auch in Zukunft besser gehen wird.


Was mich am meisten geprägt hat?
Mmh .. gute Frage .. ich glaube und hoffe, dass die Mentalität der Mauritier in einigen Teilen auf mich abgefärbt hat. Vor allen Dingen hat es mich geprägt, dass man einfach alles teilt. Es gab weder im Kinderheim noch unter meinen Freunden etwas, was nur mir gehört hat. Alle meine Sachen wurden sofort zum allgemeinen Eigentum. Das war am Anfang ein bisschen gewöhnungsbedürftig, dass mein iPod auf einmal nicht mehr nur mir gehörte sondern auch 15 Kindern.
Beeindruckend fand ich es auch, dass es auf Mauritius sehr wichtig ist, immer ein großes Netzwerk an Freunden und Bekannten zu haben, die einem weiterhelfen können. Fast für alle meine Fragen kannte jemand wieder jemand anderem, der mir weiterhelfen konnte. Ich hatte das Gefühl, dass die Mauritier mehr zusammenhalten und untereinander immer bereit sind sich zu helfen als hier in Deutschland.


Das Image von Mauritius
Ja, da muss ich dir Recht geben - Mauritius war nicht so, wie ich es mir vorgestellt habe. Ich habe auch überlegt, woran das liegt. Ich glaube, in Deutschland bekommt man aus Prospekten und Reiseberichten immer das Bild vermittelt, Mauritius sei die Insel, wo IMMER Sonne scheint, wo es nur Traumstrände gibt und es sich dadurch auch NUR reiche Touristen leisten können (oder frisch Verheiratete =)
Die Realität war anders – aber nicht schlechter! Auf Mauritius scheint definitiv nicht immer die Sonne – und ich habe nicht oft einen wirklich strahlend blauen Himmel gesehen, was ich aber äußerst angenehm empfand. Durch kleine Wolken oder den ein oder anderen Schauer war die Hitze nicht ganz so unerträglich – und der Regen hat mich nur selten gestört!
Auch die Strände habe ich mir ehrlich gesagt schöner vorgestellt – ich bin aber auch ein bisschen verwöhnt, da ich in Rostock am feinen Ostseestrand wohne. Nur für einen reinen Strandurlaub finde ich allerdings gibt es schönere Ecken auf der Welt –aber zusammen mit dem Rest der Insel (vor allen Dingen den Wasserfällen!) bleibt Mauritius einmalig!
Und dass ein Mauritus-Urlaub sehr teuer sein muss, auch das stimmt nicht. Das Problem besteht nur darin, dass man von Deutschland aus fast nur die teuren Hotels angeboten bekommt. Es gibt aber auch eine Reihe von günstigen und sehr schönen Appartmenthäusern – und du bist ja auf dem besten Weg diese auch zu vermieten =)


Was ich schön fand und was nicht?
Also was ich schön fand habe ich jetzt ja ausschweifend erläutert. Nicht so schön fand ich
- die Unzuverlässigkeit einiger Leute. Wenn man Termin macht, heißt das noch lange nicht, dass man sich auch wirklich an dem Tag um die Uhrzeit trifft

- den fehlenden Respekt zur Umwelt. Besonders deutlich sichtbar wird das am Sonntag Abend am Strand. Die zahlreichen Familien sind wieder nach Hause gefahren und hinterlassen aber deutliche Spuren von ihrem Picknick. Der Müll wird einfach irgendwo fallen gelassen, wo es gerade passt. Ich habe mich dabei immer gefragt, wer den strand eigentlich sauber macht? Gibt es dort Angestellte dafür? Jedenfalls wäre es wünschenswert, dass sich das Umweltverständnis in den Köpfen ein wenig ändert. Gibt es so etwas in der Schule?

- dass der letzte Bus abends um 19h fährt und der erste Bus wieder morgens um 6h. Nicht nur, dass es unpraktisch ist, sondern ich finde es auch gefährlich. Die Mauritier haben mir eingebläut, dass es gefährlich ist als Mädchen abends/nachts alleine unterwegs zu sein. Ich denke, dass ein erster und einfacher Weg wäre, auch nachts den Bus in größeren Abständen fahren zu lassen. Ich denke dabei einfach an viele junge MauritierInnen, die weder ein Auto und noch das Geld für ein Taxi haben um abends oder nachts sicher nach Hause zu kommen. Und mit einem regelmäßigen Bus denke ich könnte man so einige Gefahrensituationen vermeiden.

- Die Unterschiede in der Hautfarbe, die anscheinend noch immer gemacht werden. Zum Einen stört es mich, dass ich den doppelten Preis bezahlen muss, nur weil ich weiße Haut habe und durch potentieller Tourist bin. Das finde ich aber noch teilweise verständlich – ist ja nicht nur auf Mauritius so. Schlimmer finde ich es jedoch, dass es anscheinend selbst Rassismus gegen die eigenen Bürger gibt. In sämtlichen Reiseführern ist zwar beschrieben, dass Creolen, Hindus, Chinesen usw friedlich zusammenleben, doch ganz so friedlich scheint es hinter den Kulissen dann doch nicht zu sein. Ich weiß nicht, welche Ausmaße das wirklich annimmt, aber was ich erlebt habe, war eben, dass ein schwarzer Mann ohne Frau nicht in die Disko kommt. Oder dass eben meine schwarzen Freunde nicht mit in die Flughafenabfertigungshalle kommen durften – die anderen schon. Es sind Kleinigkeiten, aber eben doch Dinge, die sich bei mir eingeprägt haben. Ich wüsste nur gerne woher das kommt, da Mauritius an sich ja keine direkten „Ureinwohner“ hat.


Was wünsche ich Mauritius?
Ich wünsche Mauritius, dass es seinen Charme behält, den es hat. Dass ich in ein paar Jahren dort hinkommen kann und in dem Pizzaladen immer noch 5 Leute an der Kasse stehen sehe – obwohl es gar nicht so viel zu tun gibt, dass man die alle beschäftigen könnte.
Ich finde Mauritius hat in einigen Dingen ein bisschen etwas altmodisches – vielleicht durch seine etwas abgeschirmte Lage. Auf mich macht es jedenfalls den Eindruck, als wäre hier noch nicht in allen Ecken die Rationalisierung der Dinge angekommen – und dass man auf Mauritius noch viele Dinge tut um dem anderen einen Gefallen zu tun – ohne direkt an den eigenen Nutzen zu denken.

Also wir gesagt, es ist schwer alle meine Eindrücke in ein „paar“ Sätzen zusammenzufassen. Ich würde mich freuen, wenn ihr mir sagen könntet, ob ich mit meinen Eindrücken total daneben liege, oder ob ihr einiges ähnlich seht, oder komplett anders? Ich bin gespannt ..
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